Bart. Magazin für Kunst und Gott

© BART. Magazin für Kunst und Gott

© BART. Magazin für Kunst und Gott

BART ist ein Magazin, das einen christlichen Blick auf bildende Kunst wirft. Es erscheint halbjährlich und diskutiert zeitgenössische Kunst, die sich mit religiösen Fragestellungen und Praktiken auseinandersetzt.

So unterschiedlich der Schreibstil der Autoren ist, so unterschiedlich sind auch die vorgestellten Künstler. Eindrücklich sind die Werke von Ralf Kopp, der die Kirche als Versammlungsort Gleichgesinnter ansieht. Seine audioreaktive Videoinstallation Ursprung projiziert je nach Lautstärke und Tonvielfalt ein farbiges Kreuz auf eine weisse Leinwand im Altarraum. Damit möchte er die fromme Konformität des Schweigens in Kirchenräumen durchbrechen.

Ursprung IV, Darmstadt © Ralf Kopp

Ursprung IV, Darmstadt, 2013
© Ralf Kopp

Der Fotograf beschäftigt sich auch mit dem Thema Glauben und Kapitalismus. Viele seiner Werke drehen sich deshalb um Geld. In Frankfurt legte er 540 Euro in Centmünzen auf den Boden und schrieb damit das Wort Faith. Die Überlebensdauer seines Werkes überliess er den Vorbeigehenden. Wer wollte, konnte einige Münzen einstecken, zeigte dadurch aber auch das eigene Desinteresse am übergeordneten Ziel dieser Kunstaktion.

Bryan Olson stellt aus alten National Geographic-Heften wunderschöne Collagen zusammen. Er schneidet derart exakt, dass die Kompositionen aussehen, als seien sie gar nicht neu zusammengestellt worden. Die Collage Midnight Frequency, die den Puls Gottes zeigt, oder The Wall Between Us, die die Trennung zwischen Universum und unserer Welt darstellt, gehören zu meinen liebsten.

Midnight Frequency, 2012 © Bryan Olson

Midnight Frequency, 2012
© Bryan Olson

Die Werke von Hans Thomann haben mich am meisten angesprochen. Er bringt ein schwarzes Kreuz mit über 100 Ballonen zum Schweben und zeigt damit eine Leichtigkeit, die dem Glauben innewohnen kann. Er tut es dem chinesischen Künstler Ai Weiwei gleich, zerbricht anstelle von antiken Vasen weisse Madonnen-Figuren, die er als sinnentleert ansieht, und klebt sie zu neuen Statuen zusammen. Er giesst mit Epoxydharz Süssigkeiten und Medikamente in armlose Jesusfiguren. Er möchte darauf aufmerksam machen, wie sehr wir Schmerz aus dem Weg gehen, wie gefühlsarm uns Pillen machen. Er betoniert die heiligen Bücher Koran, Bibel und Talmud in Zement ein und verleiht einer seiner Skulpturen einen explosiven Strahlenkranz aus Feuerwerkskörpern. Seine Arbeiten sind frisch, voller neuen Ideen. Zugleich sind sie ästhetisch aber auch provozierend.

Arsenale II, 2012 © Hans Thomann

Arsenale II, 2012
© Hans Thomann

Das Magazin, welches all diese Künstler vorstellt, ist sehr vielseitig. Jeder Bericht ist von einem anderen Autor geschrieben. Neben analytischen Artikeln sind auch Interviews mit Kunstschaffenden, sowie fachspezifische Diskussion enthalten. In der Ausgabe dieses Frühjahrs werden beispielsweise Überlegungen zu Preisen auf dem Kunstmarkt angestellt. Auch hinsichtlich der Graphik ist das Journal zu loben. Die Collagen und Acrylbilder kommen trotz platzsparender Verkleinerung zur Geltung.

BART informiert nicht nur über neue und für mich unbekannte Künstler sondern macht Lust, die Ausstellungen und Installationen derselben zu besuchen. Es regt an, Kunst fern von Heiligenbildern aus der Renaissance auf ihren religiösen Hintergrund zu befragen. Die spannenden Gespräche und Interpretationsansätze, die im Magazin enthalten sind, verleiten dazu, einen Augenblick länger zu verweilen vor solchen Kunstwerken. BART werde ich auf jeden Fall abonnieren. Ich freue mich bereits auf die nächste Ausgabe dieses speziellen Heftes.

Cora

Titel: BART. Magazin für Kunst und Gott

Autoren: Anna Schori-Papadopoulos, Melanie Mock, Martin Sautter, Christopher Bahn, Samuel Scherrer, Pascale Rondez

Verlag: BART Magazin

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